Gegenverkehr — Blick auf Mittel-, Ost- und Südosteuropa

Gegenverkehr versammelt meine Texte, hauptsächlich zu Mittel-, Ost- und Südosteuropa: Reportagen, Analysen, Kommentare und politische Beobachtungen. Auch ältere Texte zu anderen Themen finden sich hier.

Ich habe viele Jahre in Mittel- und Osteuropa gelebt und bin dort bis heute regelmäßig unterwegs. Mich beschäftigen diese Regionen auch deshalb, weil sie in der deutschsprachigen Öffentlichkeit häufig erst dann auftauchen, wenn gewählt, protestiert oder Krieg geführt wird. Dabei lässt sich Europa kaum verstehen, ohne nach Prag, Ostrava, Bratislava, Sarajevo, Belgrad oder Kyjiw zu schauen.

Viele meiner Texte beginnen deshalb nicht am Schreibtisch, sondern unterwegs: mit einem Gespräch, einer Demonstration, einem Besuch in einer Wohnsiedlung oder vor Fabriktoren. Mich interessiert, was hinter den politischen Schlagzeilen passiert: wem Wohnungen und Betriebe gehören, wer arbeitet, wer von Privatisierung und Sozialabbau profitiert und wer dafür bezahlt. Und mich interessieren Menschen, die versuchen, diese Verhältnisse zu verändern – Gewerkschafter*innen, Antifaschist*innen, Mieter*innen, Roma-Initiativen, queere Aktivist*innen und Nachbar*innen, die sich organisieren.

Mittel-, Ost- und Südosteuropa sind keine einheitliche „Region“. Ihre Geschichten und gesellschaftlichen Erfahrungen unterscheiden sich erheblich. Gleichzeitig verbinden Kapital, Arbeit, Migration und politische Machtverhältnisse diese Regionen eng miteinander – und mit Deutschland und dem übrigen Europa. Was dort geschieht, ist deshalb kein Randthema.

Daher der Name Gegenverkehr. Mich interessiert der Blick in beide Richtungen. Nicht Deutschland erklärt „den Osten“ und misst ihn daran, wie ähnlich er dem Westen bereits geworden ist. Entwicklungen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa erzählen ebenso etwas über Deutschland, über die Europäische Union und über die Verhältnisse, in denen wir leben.

Meine Perspektive ist links, materialistisch, antifaschistisch und internationalistisch. Das bedeutet für mich nicht, fertige Antworten über die Wirklichkeit zu legen. Es bedeutet hinzusehen, zuzuhören, Widersprüche auszuhalten und die eigene Sicht zu korrigieren, wenn die Wirklichkeit nicht zu ihr passt.

Gegenverkehr ist eine Sammlung meiner Texte, Reisen und Begegnungen – und der Versuch, den gewohnten Blick auf Europa gelegentlich umzudrehen.

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