Für Ian Nadge bedeutet Gegenverkehr, in die andere Richtung zu schauen: nicht von Berlin, Brüssel und anderen westeuropäischen Hauptstädten nach Osten, sondern von dort zurück auf Deutschland und Westeuropa – auf Arbeit und Eigentum, Macht und Ungleichheit und auf diejenigen, die sich gegen diese Verhältnisse zur Wehr setzen.
Ian schreibt vor allem über Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Er hat viele Jahre in Tschechien verbracht, lebte längere Zeit in Ungarn und der Ukraine und ist bis heute regelmäßig in der Region unterwegs. Sein Hintergrund in Sozialpsychologie prägt seinen Blick auf Politik und Gesellschaft. Ihn interessiert vor allem, wie politische und soziale Verhältnisse im Alltag erfahren und ausgehandelt werden.
Seine Texte beginnen deshalb oft mit Begegnungen – auf Demonstrationen, in Wohnsiedlungen und Betrieben, unterwegs oder bei langen Gesprächen. Er schaut hinter die Schlagzeilen und richtet den Blick auf Arbeiterinnen und Gewerkschafterinnen, Mieterinnen, Roma-Initiativen, Antifaschistinnen, queere Aktivist*innen und andere, deren Stimmen selten zu hören sind.
Gegenverkehr erzählt Politik durch Menschen und ihre Geschichten – und fragt nach den Verhältnissen, die ihr Leben prägen. Der Blick geht dabei bewusst in die andere Richtung.

