Wenn es an der Tür klingelt in Belarus

Proteste in Minsk am 18. Oktober 2020
(Bild: Homoatrox, CC BY-SA 3.0)

Es klingelt. Mehr lässt sich nicht sagen. Nicht, in welcher Stadt die Wohnung liegt. Nicht, wer hinter der Tür lebt. Nicht einmal, wer klingelt. Vielleicht ist es der Paketdienst. Vielleicht eine Nachbarin. In Belarus kann dieselbe Türklingel aber auch den Besuch der Polizei oder des Geheimdienstes ankündigen.

Gerade diese Ungewissheit ist für viele Menschen Teil des Alltags geworden. Autoritäre Herrschaft beginnt nicht erst mit einer Festnahme oder einem Urteil. Sie beginnt dort, wo Menschen ihr Verhalten verändern, weil sie jederzeit mit einer Hausdurchsuchung, einer Vorladung oder der Auswertung ihres Mobiltelefons rechnen müssen. Jede unerwartete Begegnung, jeder Anruf und jedes Klingeln an der Tür können zu einer möglichen Bedrohung werden.

Seit Jahren dokumentiert das Menschenrechtszentrum Viasna politisch motivierte Strafverfahren, Hausdurchsuchungen und Festnahmen. Auch das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) beschreibt anhaltende willkürliche Inhaftierungen, Misshandlungen und erhebliche Einschränkungen grundlegender Freiheitsrechte. Beide zeichnen das Bild eines Staates, in dem Repression nicht mehr nur auf spektakuläre Gewalt setzt, sondern zunehmend den Alltag durchdringt.

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