Polen: Der Feuerlöscher und das Kapital

Scheinheiliger Kampf gegen das Establishment, Grzegorz Braun Marsch 2025

Es gibt eine merkwürdige Eigenheit der extremen Rechten. Sie behauptet unablässig, gegen das Establishment zu kämpfen – und schafft es doch zuverlässig, niemals dort anzukommen, wo das Establishment tatsächlich sitzt.

Grzegorz Braun, Regisseur, Publizist und heute Vorsitzender der rechtsextremen Konfederacja Korony Polskiej, ist dafür ein beinahe lehrbuchhaftes Beispiel. Internationale Bekanntheit erlangte er, als er im polnischen Parlament mit einem Feuerlöscher die Chanukka-Menora löschte und die Zeremonie als „satanischen Kult“ bezeichnete. Später forderte er im Europäischen Parlament, die „Judaisierung Europas“ zu stoppen, bestritt die historische Evidenz der Gaskammern und erklärte die Europäische Union zum Instrument der Zerstörung der polnischen Nation. Es ist ein politisches Zauberkunststück: Während alle auf den Feuerlöscher blicken, verschwindet das Kapital aus dem Blickfeld. Bei der Präsidentschaftswahl erhielt Braun mehr als 1,2 Millionen Stimmen – weit mehr, als viele Beobachter erwartet hatten.

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